Was ist eine gute Mutter? - Ein philosophisches Selbstgespräch

 

Diese philosophische Frage beschäftigt mich immer wieder. Sie brennt mir schon sehr lange unter den Fingern. Beantworten kann ich sie nicht allgemein, wie das bei philosophischen Fragen eben so ist, und das ist auch gut so.

 

Oft ertappe ich mich dabei, wie ich mich in Situationen bewerte in "gute Mama" und "schlechte Mama". Bin ich denn gut genug als Mama? Wenn mir dieses Gedankenmuster in dem Moment bewusst wird und ich mich etwas weiter hinterfrage, dann sehe ich, dass dahinter alles Vorstellungen von mir sind, wie ich denn als Mama zu sein hätte. Eine Mischung aus gesellschaftlichen Ansprüchen, Prägungen aus der Kindheit und kollektiven Vorstellungen von Weiblichkeit und Mama-sein. All diese Vorstellungen entfernen uns von unserem innersten wahren Kern, von dem was durch uns eigentlich gelebt und zum Ausdruck gebracht werden möchte. Jeder Mensch und so auch jede Mama ist anders. Es gab Tage bei mir, an denen ich eigentlich nur nach meinen Vorstellungen von mir gelebt habe und mich selber total vergessen habe. Glücklicherweise hat mir meine latente Wut den Weg aus dieser Sackgasse gezeigt. Zu dieser Zeit würde ich von mir sagen, war ich keine "gute" Mama. Mit der Zeit habe ich mich öfters begonnen zu fragen, wer ICH denn eigentlich bin? Welches meine Bedürfnisse und Werte sind? Wegweisend bei diesem Geburtsprozess waren meine Gefühle. Wut möchte gesehen, gefühlt und verstanden werden, Trauer, Angst, Eifersucht ebenso.

 

Daraus könnte erfolgen, dass eine gute Mutter ihren Bewertungen nicht glaubt, das macht sie nämlich unzufrieden und dann ist sie meistens keine "gute" Mutter? Man könnte vielleicht sagen, dass eine gute Mutter jemand ist, die in dieser Rolle trotzdem sich selbst bleibt und nicht nur eine Rolle spielt, im Sinne von Authentizität? Oder jemand, die sich durch die Rolle beginnt zu hinterfragen, selber zu denken und stetig auf dem Weg zu ihrem wahren Selbst. Vielleicht kann man das auf alles Mögliche ausweiten, womit man als Mama sonst noch so in Berührung kommt: Gesellschaftliche Normen, Erziehung, Geburt, Schule und Lernen, Ernährung, um nur ein paar Bereiche aufzuzählen. Im Inneren sowie im Äusseren eben.

 

"Kinder brauchen Gewissheit, wer ihre Eltern sind und wofür sie einstehen. Hinter den Worten muss die wirkliche Person sichtbar sein." Jesper Juul

 

Bei mir in der Küche hängt eine Postkarte mit einem Zitat: "Gute Mütter haben dreckige Böden, schmierige Fenster, trockene Pflanzen und glückliche Kinder." Als ich frisch Mutter wurde, war das MEIN Zitat, es hat mich immer wieder daran erinnert, dass ich vieles im Haushalt auch sein lassen darf. Wiederum taucht dann die Frage auf: Sind gute Mütter nur für ihre Kinder da? Heute weiss ich, dass ich ein gewisses Mass an Ordnung und Sauberkeit brauche, um mich wohl zu fühlen um zufrieden, ja im Frieden mit mir selber zu sein. Ein Gleichgewicht eben. Meine Intuition führt mich dabei. Mal Kind, mal Haushalt, mal beides zusammen, mal gar nichts von beidem, mal lasse ich auch jemanden den Haushalt machen. 

 

Was ist denn eine "schlechte" Mutter? Eine, die ihre Kinder anschreit? Eine die kein gesundes (Obst und Gemüse?) Essen macht? Die ihre Kinder bestraft? Die ihren Kindern böse Absichten unterstellt?Aber ist eine gute Mutter, denn immer lieb und nett?

 

"Gute" Mütter müssen sich selber "gute" Mütter sein, erst dann sind sie "gute" Mütter für ihre Kinder. So wie Kinder verschieden sind, sind es auch Mütter. Die Bewertung in gut und schlecht mag ich überhaupt nicht, das führt immer zur Auf- und Abwertung von Menschen. Spannend finde ich aber, dass die Frage dennoch im Kopf von vielen Müttern steckt und ihnen das Leben schwer macht. Dass wir immer versuchen gut zu sein und vergessen, dass es auch etwas zwischen gut und schlecht gibt und das ist genug. Vom Grossen Ganzen her betrachtet haben unsere Kinder uns sowieso als Mütter ausgewählt, deswegen glaube ich, dass wir auf jeden Fall die richtigen Mütter für unsere Kinder sind, so wie wir sind.  

 

Ich hoffe Dich mit diesem Beitrag zum Nachdenken und Hinterfragen inspiriert zu haben. Lass doch gerne einen Kommentar da, damit es nicht bloss bei einem Selbstgespräch bleibt.

 

Alles Liebe

 

Deine Ramona

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rahel (Mittwoch, 22 April 2020 19:09)

    Toller Beitrag und voll ins Schwarze getroffen. Die Suche nach der "guten Mama" beginnt für mich jeden Tag aufs Neue. Ich bemühe mich in jeder schwierigen Situation drum. Meistens gelingt es mir, manchmal auch nicht. Darüber nachzudenken, zu reflektieren, im Gespräch zu bleiben - das macht für mich die "gute Mama" aus.