Warum wir mit Kindern unbedingt über Einhörner philosophieren sollten.

In einer zunehmend komplexer werdenden Welt braucht es mehr denn je Menschen, die in der Lage sind Neues zu kreieren, die über bereits Gesehenes, Gehörtes und Gedachtes hinaus denken können, fernab von jeglichem Schablonen, Vorgaben oder Leitplanken. Alles ist stetigem Wandel unterzogen und so war es auch schon immer. Es gibt Menschen, die befassen sich mit neuen Ideen und suchen nach Lösungen, um beispielsweise bessere Umweltbedingungen zu schaffen oder hinterfragen mindestens den IST-Zustand. Eine andere Sorte Mensch läuft lieber dem hinterher, was von Aussen an ihn herangetragen wird und bewegt sich in den Bahnen, in denen er von Aussen die Bestätigung erhält "richtig" zu sein. 

 

Vielleicht denkst du manchmal, dass kindliches Denken irrational, primitiv oder gar naiv sein könnte und ihr Verstand erst noch erwachsener werden müsse, und belächelst ihre Aussagen. Kinder besitzen ein so genanntes mythisches Denken – sie denken in Bildern, Farben, Gerüchen und Gefühlen und entwickeln eigene Vorstellungen. Sie beseelen die belebte und unbelebte Natur und haben ihre subjektive Logik. Und das ist gut so, weil sie damit auf das Engste mit sich selbst verbunden sind. Wir haben uns von uns selbst entfernt und vertrauen vielmehr auf äusserliche Konventionen als unserer "ureigenen inneren" Stimme. Kinder tun das NOCH nicht. Sie reden und fragen, ohne zu überlegen. Sie formulieren ihre "rohen" Gedanken und Fragen, aber nur solange sich jemand dafür interessiert. Kinder betrachten ihre Umwelt als ein grosses Rätsel mit tausenden offenen Fragen und ungeklärten bedeutungsvollen Geheimnissen: Was war vor dem Anfang des Lebens und warum gibt es mich erst jetzt? "Wie bin ich in Mamas Bauch gekommen?"„Wieso bin ich (k)ein Mädchen und (k)ein Junge geworden?“ / Sind Blumen vielleicht traurig, wenn sie ihre Köpfe hängen lassen?“ und „Wieso wacht man morgens immer wieder auf?“ / „Wieso fallen die Sterne nicht vom Himmel, obwohl sie so schwer sind?“ und "Woher kommen die Bilder, wenn ich nachts träume?" … Vielleicht würden wir zu diesen Fragen jetzt einfach gerne schnell eine Antwort geben. Kinder suchen nach Erkenntnissen und Deutungen, die ihnen helfen ihre eigenen Antworten zu finden. Kinder möchten keine vorgefertigten absoluten Antworten, sie wollen auf die Suche gehen nach Gründen zur entsprechenden Fragestellung. Eine philosophische Frage ist IMMER einem Prozess unterworfen, es ist eine ganzheitliche (Körper-Geist-Seele) Bewegung und kein Ergebnis.

 

"Erwachsene wollen Sicherheiten und keine Zweifel, man will Resultate und keine Experimente, ohne darauf zu sehen, dass nur durch Zweifel Sicherheiten und nur durch Experimente Resultate entstehen können." (Carl Gustav Jung (Psychologe und Philosoph)

 

Wenn Kinder schwanger mit philosophischen Fragen sind, möchten sie lebendige Antworten gebären. Für diese Weisheiten brauchen sie Zeit und einen geschützten Raum ("Safe place"), um diese zum Ausdruck bringen zu können. Der griechische Philosoph Sokrates, Sohn einer Hebamme, nannte sein Fragen und Antworten gebären „Hebammenkunst“. Für ihn gab nie nur eine richtige Antwort. Auch Pablo Picasso stellte sich dieselbe Frage: „Wenn es nur eine einzige richtige Antwort auf die vielen Fragen des Lebens gäbe, dann frage ich mich, warum es zu denselben Motiven so viele Bilder gibt?“

 

Wenn du also möchtest, dass dein Kind selbstbewusst (sich selber bewusst), verantwortungsbewusst, offen, engagiert, neugierig, lebendig, respektvoll,  motiviert, seine Stärken und Schwächen kennt, seine Ängste und Freuden kennt, dann lade ich dich herzlich gerne auf ein philosophisches Abenteuer einlassen - Philosophie ist nämlich der Weg eine Selbst- und Bewusstwerdung (Armin Krenz). Alle Menschen sind in der Lage (und das unterscheidet uns von den Tieren) über uns selbst nachzudenken, über Gedanken, Ereignisse, Handlungen, Wünsche und Wirklichkeiten. Um daraus Erkenntnisse und Entwicklungsmöglichkeiten zu schliessen, bedarf es den Voraussetzungen, Offenheit, Neugierde, Zweifel, Staunen und Motivation gegenüber uns selbst, unseren Lebensumständen und unseren Mitmenschen.

 

Um mit Kindern zu philosophieren braucht es kein künstlich hergerichtetes Setting. Tiefgründige Gespräche können ganz einfach im Alltag übers Alltagsgeschehen passieren. Wichtig dabei ist aber eine "innere offene" Haltung gegenüber den Kindern. Am besten machst du dich ganz leer und wirfst alles bereits Gelernte über Board, um offen zu sein für die Gedanken der Kinder. Es geht darum gemeinsam mit Kindern zu staunen zu entdecken und zu lernen.

 

Herzlichst, Ramona